04.08.2013, Kreuztal, Dreslers Park


07.08.2013, Siegener Zeitung

Beim Konzert des Duos Martin Reuthner (Trompete) und Werner Hucks (Gitarre) in Dreslers Park durften die Zuhörer bei herrlichem Sommerwetter entspannen, träumen und genießen.
 
Sommer, Sonne, sanfter Jazz
 
Kreuztal. Herrlich entspannend: Der Gitarrist und der Trompeter machten im Kultursommer Kreuztal in Dreslers Park gemeinsame Sache.
 
Träumen, genießen, sich inspirieren lassen, das war unter den schattigen alten Bäumen vor dem urigen alten Holzpavillon in Dreslers Park im Rahmen des Kreuztaler Kultursommers für die zahlreichen Hörer angesagt. Auf hohem spielerischen Niveau entführte das Jazz-Duo Martin Reuthner und Werner Hucks in verschiedene Klangwelten: vom Bach-Choral und der Bach-Bearbeitung einer Cellosuite für Gitarre bis hin zu Swing, Spiritual und Jazzstandards - oftmals in Eigenkompositionen beider Instrumentalisten.
 
Beide spielten bei Musical "Elisabeth" mit
 
Kennengelernt haben sich die Ausnahmemusiker beim Musical "Elisabeth". Der Kölner Trompeter Martin Reuthner vereint in seiner Vita Soloauftritte bei zahlreichen Musical-Produktionen, in Big Bands (u. a. WDR-Big-Band, Bundes-Jazzorchester) sowie in namhaften Sinfonieorchestern (z. B. bei der Ruhrtriennale mit "Die Soldaten" von Bernd Alois Zimmermann). Soloauftritte mit namhaften Jazz- Größen (Jimmy Smith, Klaus Doldinger) CDs, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen zeugen von seiner Vielseitigkeit.
 
Hucks blickt auf 30 Jahre Konzerttätigkeit zurück
 
Ähnlich viel beschäftigt ist Gitarrist Werner Hucks. Der Siegener Musiker hat in den 30 Jahren seiner Tätigkeit als Konzertgitarrist, Studiomusiker, Komponist und Musikpädagoge für Jazzgitarre mehr als 2500 Konzerte - auch in Funk und Fernsehen - gegeben, ist weltweit aufgetreten, hat in mehr als 1000 Musical-Shows (u. a. "Les Miserables" von Claude Michel Schönberg) mitgewirkt und viele Eigenkompositionen kreiert. Von der Klassik bis zum Jazz in unterschiedlichen Stilrichtungen reicht sein Repertoire.
 
Von Bach bis Blues und Swing
 
Daher verwunderte es nicht, dass auch das Kreuztaler Programm zwei Beiträge mit Bezug auf Johann Sebastian Bach enthielt: eine wunderbar entschleunigte, leicht swingende Choralbearbeitung des Chorals "Wer nur den lieben Gott lässt walten", die durch Blue Notes, kleine Schleifer der Trompete und verfremdende Jazzharmonien der Gitarre gewürzt war. Hucks' Bearbeitung einer Bach'schen Cellosuite war durch starke Agogik und Akzentsetzung gut durchhörbar und zeigte bei aller Virtuosität seinen emotionalen Zugang zu barocken Klängen. Der Hauptteil des Programms war aber jazzigen Stücken gewidmet. Geboten wurde auch hier eine große Bandbreite von Spirituals über Blues und Swingstandards bis hin zu Eigenkompositionen und Bearbeitungen. Langsame, gefühlvolle Stücke mit virtuosen Einlagen der meisterlich gespielten Trompete oder des Flügelhorns und den nuancenreichen, subtilen, aber auch grifftechnisch gekonnten schnellen Akkord- und Melodiefolgen der Gitarre waren das Markenzeichen des Duos.
 
"Friendship" und "Bennies Blues" wurden kräftig beklatscht
 
"Sometimes I Feel Like A Motherless Child", "Once I Loved", mit dem weicher klingenden Flügelhorn soulartig geblasen, der Bossa Nova "Sail Away" und "Wade In The Water" luden zum Träumen und Entspannen ein, ebenso wie die Kompositionen von Werner Hucks "Der Schweizsong" (bei einer Bergbesteigung entstanden) und "Coming Home" (nach der Rückkehr einer guten Freundin geschrieben). Hucks' Melodien sind eingängig, aber auf angenehme Weise eigenwillig, seine Gitarrenbegleitung harmonisch jazzmäßig mit Septimen und Sexten angereichert und sehr virtuos. Reuthners Bearbeitung von "Have You Met Miss Jones" (Richard Rogers und Lorenz Hart) erfreute durch swingende, perlende Umspielungen der Trompete und herrliche parallele Duettpassagen mit der Gitarre. Spannend wurde es mit der nach Jam-Session-Art gespielten Version von "Ladybird". Die Vorlage des Songs wurde von beiden Musikern spontan und ohne vorherige Probe aufgegriffen und in Solopassagen - fabelhaft Hucks' Vom-Blatt-Spiel - und im Duospiel temporeich, aber entspannt und genüsslich, sich gegenseitig anspornend umgesetzt. Alle Stücke wurden abwechselnd launig vom Trompeter und Gitarristen moderiert. So bedankte sich Martin Reuthner bei den Veranstaltern und Technikern sowie dem Publikum, indem er und Werner Hucks abschließend "Friendship" von Jiggs Wigham in einer weit ausschweifenden, gefühlvollen Version darboten. Die Zugabe "Bennies Blues", temporeich, mit tollen Effekten des Plunger-Trompetendämpfers und rasanten Jazzakkordgriffen der Gitarre, wurde begeistert vom Publikum beklatscht, das den stimmungsvollen Nachmittag offenbar sehr genossen hatte.

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