Martin Reuthner - Werner Hucks Duo

Presseberichte


24.11.2008, Siegener Zeitung

Pure Entspannung

Unanstrengende Musik mit Werner Hucks und Martin Reuthner

Da macht man sich als bekennender Liebhaber von Gitarrenmusik zu einem Konzert von Werner Hucks auf und weiß: Damit kann man nichts verkehrt machen, da weiß man, was man hat. Und trotzdem macht sich imVorfeld ein merkwürdiges, unbestimmtes Gefühl breit: Spannung, Erwartung, Neugierde und viele Fragezeichen sind dabei. Denn es ist ein Konzert für Trompete und Gitarre angekündigt. So ein prägnantes, durchsetzungsfähiges, »lautes« Blasinstrument imDuett mit den zarten Klängen einer Konzertgitarre? So unterschiedliche, scheinbar gegensätzliche Klangfarben in trauter Zweisamkeit? Geht das gut? Kann das funktionieren? Schon nach den ersten gemeinsamen Tönen von Werner Hucks (Siegen) und Martin Reuthner (Köln) wird klar: Es kann. Und wie! Alle Zweifel sind ausgeräumt, fortan geht es nur noch darum, zuzuhören und zu genießen.

Am Freitagabend gastierte das Duo Reuthner/Hucks - die beiden lernten sich beim Musical »Elisabeth« in Essen kennen - in der Erlöserkirche in Neunkirchen-Salchendorf. Trotz der ausgesprochen ungünstigen Wetterprognosen folgten doch recht zahlreiche Musikfreunde der Einladung des örtlichen CVJM, der Evangelischen Gemeinschaft und der Ev.-ref. Kirchengemeinde Neunkirchen (Pfarrbezirk Salchendorf).

Entspannung pur hätte das Motto des Abends lauten können: Sanfte, ruhige Klänge herrschten vor, Hucks und Reuthner spielten Musik auf hohem Niveau, völlig unanstrengend, wunderbar zum »Runterkommen« nach einer stressigen Arbeitswoche geeignet. Alles war fein aufeinander abgestimmt - die Lautstärkeverhältnisse bekam das Duo mittels Verstärkertechnik in den Griff, und die Klangcharaktere der Instrumente passten hervorragend zueinander, zumal Reuthner entweder mit Flügelhorn oder gedämpfter Trompete spielte und dem einen wie der anderen unaufdringliche, oft butterweiche Töne entlockte.

Mit den Eigenkompositionen »Martinique« und »Schweiz-Song« - locker-flockige, »sonnige«, typisch Hucks'sche Stücke - verbreiteten die Musiker Urlaubsatmosphäre. Die traurig-melancholische Herbststimmung (»Autumn Mood« von Martin Reuthner) vertrieben sie mit den Klassikern »Have You Met Miss Jones?« und »Autumn Leaves«, bei denen sie sich ganz ihrer Vorliebe für den Jazz hingaben, heftig swingten und starke Soli spielten. Gospeliges wie »Wade In The Water«, ein jazziger Blues (als Zugabe) und Gefühliges wie das berühmte »Speak Softly Love« gehörten ebenso zum ausgewogenen, abwechslungsreichen Programm (in dem Hucks und Reuthner vieles von ihrer gemeinsamen CD »Friendship« vorstellten) wie zwei Choralbearbeitungen: eine eher »klassisch« vorgetragene Version von »Ich steh an deiner Krippen hier« und ein spannendes, »gedehntes« Reuthner-Arrangement von »Wer nur den lieben Gott lässt walten«.

Neben der hohen künstlerischen Qualität war insbesondere auch die sehr schöne Atmosphäre des Konzertabends allen Applaus wert.

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28.02.2008, Borbecker Nachrichten

Mit jodelnder Trompete

Jazz-Duo eröffnete Quintinus-Konzertreihe 2008

Herzklopfen hatte das Duo Werner Hucks und Martin Reuthner bei seinem Konzert zur Eröffnung des diesjährigen Konzertprogramms der Quintinusstiftung sicher nicht. Dennoch berichteten sie von einem solchen Vorfall in der "Mittagspause". In einem so benannten Liebeslied hatte der Gitarrist Hucks als Jugendlicher seine romantischen Gefühle zwischen verzückter Freude und versonnenem Gedankentreiben eingebunden. Bei diese eher persönliche Mitteilungen wollte er es nicht belassen und wechselte mit seinem Kollege Martin Reuthner in die Karibik, genauer gesagt auf die Insel Martinique, die auch dem Lied den Titel gegeben hatte, das spritzig, aber nicht grell war, Überraschungen bot und locker blieb, weil es nicht Eventstrapazen hinterherlief. Der Beifall des Publikums war den beiden Jazzern sicher.

Das lag nicht nur an ihrem Können. Reuthner ist Mitglied der WDR-Big-Band und Hucks hat Erfahrunge aus "allen Musicalhäusern" aufzuweisen. Die applaudierende Aufnahme war ein Echo auf den zurückhaltenden, nicht exstatischen Stil. Beide inszenierten nicht sich, sondern gaben der Musik Raum, sich zu entfalten. Das erkannte das Publikum, das erfuhren sie an dessen Reaktionen.

Bei Jazzmusikern vermutet man nicht ein Bergecho und ebenso überrascht ein musikalischer Spaziergang über die Bergwiese noch mehr, wenn er dazu führt, dass die Trompete zum Jodeln abhebt. Beim Quintinuskonzert bewies das Duo Hucks und Reuthner mit seinem "Schweizsong", dass es möglich ist, harmonisch und nicht aufgesetzt wirkend möglich ist und obendrein keiner sonst in solchem Genre gern eingebauter Parodie bedarf, um das Publikum anzusprechen. Auch die "Freundschaft" kam nicht aufgeplustert daher, sondern gefühlsvoll suchte sie Anlehnung mit ihren gleichsam rufenden kurzatmigen Wiederholungen.

Die Jazzstücke, zum Teil Eigenkompositionen, waren behutsam aufgebaut. Aber auch die Choräle in dieser Gestaltungsweise fanden die Anerkennung des älteren Publikums in der Klosterkapelle der Franzisnusschwester in Bedingrade. Mit Spannung waren die Bachwerke erwartet worden. Hierbei wahrte das Duo in seiner Improvisationsneufassung die Eigentümlichkeit und den Charakter der Ursprungsfassung und konnte eben dadurch an dessen Eindringlichkeit teilhaben, so dass die Gottzugewandtheit ausströmen konne. Ein großer Applaus nahm dies auf.

In einem Schnelldurchlauf von Stimmungen führte Hucks und Reuthner das Konzert seinem Ende entgegen. Schleifende Klänge brachte die verzagte Erfahrung mit einem regenreichen Herbst zum Ausdruck und Vaterglück ließ einen wiegend-glücklichen Ton geboten sein. Bevor beide dann mit "sail away" in der Zugabe aufbrachen, hatten sie noch in herbem Klang eine gespenstische Grundmelodie gestaltet.

Das Konzert dagegen wollte ein Beitrag dafür sein, bedürftigen Menschen eine freundliche Welt zu öffnen, in dem es der Quintinusstiftung weitere benötigte Spender und Sponsoren zuführt.

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