Presseberichte

07.08.2013, Siegener Zeitung

Beim Konzert des Duos Martin Reuthner (Trompete) und Werner Hucks (Gitarre) in Dreslers Park durften die Zuhörer bei herrlichem Sommerwetter entspannen, träumen und genießen.

Sommer, Sonne, sanfter Jazz

Kreuztal. Herrlich entspannend: Der Gitarrist und der Trompeter machten im Kultursommer Kreuztal in Dreslers Park gemeinsame Sache.

Träumen, genießen, sich inspirieren lassen, das war unter den schattigen alten Bäumen vor dem urigen alten Holzpavillon in Dreslers Park im Rahmen des Kreuztaler Kultursommers für die zahlreichen Hörer angesagt. Auf hohem spielerischen Niveau entführte das Jazz-Duo Martin Reuthner und Werner Hucks in verschiedene Klangwelten: vom Bach-Choral und der Bach-Bearbeitung einer Cellosuite für Gitarre bis hin zu Swing, Spiritual und Jazzstandards - oftmals in Eigenkompositionen beider Instrumentalisten.

Beide spielten bei Musical "Elisabeth" mit

Kennengelernt haben sich die Ausnahmemusiker beim Musical "Elisabeth". Der Kölner Trompeter Martin Reuthner vereint in seiner Vita Soloauftritte bei zahlreichen Musical-Produktionen, in Big Bands (u. a. WDR-Big-Band, Bundes-Jazzorchester) sowie in namhaften Sinfonieorchestern (z. B. bei der Ruhrtriennale mit "Die Soldaten" von Bernd Alois Zimmermann). Soloauftritte mit namhaften Jazz- Größen (Jimmy Smith, Klaus Doldinger) CDs, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen zeugen von seiner Vielseitigkeit.

Hucks blickt auf 30 Jahre Konzerttätigkeit zurück

Ähnlich viel beschäftigt ist Gitarrist Werner Hucks. Der Siegener Musiker hat in den 30 Jahren seiner Tätigkeit als Konzertgitarrist, Studiomusiker, Komponist und Musikpädagoge für Jazzgitarre mehr als 2500 Konzerte - auch in Funk und Fernsehen - gegeben, ist weltweit aufgetreten, hat in mehr als 1000 Musical-Shows (u. a. "Les Miserables" von Claude Michel Schönberg) mitgewirkt und viele Eigenkompositionen kreiert. Von der Klassik bis zum Jazz in unterschiedlichen Stilrichtungen reicht sein Repertoire.

Von Bach bis Blues und Swing

Daher verwunderte es nicht, dass auch das Kreuztaler Programm zwei Beiträge mit Bezug auf Johann Sebastian Bach enthielt: eine wunderbar entschleunigte, leicht swingende Choralbearbeitung des Chorals "Wer nur den lieben Gott lässt walten", die durch Blue Notes, kleine Schleifer der Trompete und verfremdende Jazzharmonien der Gitarre gewürzt war. Hucks' Bearbeitung einer Bach'schen Cellosuite war durch starke Agogik und Akzentsetzung gut durchhörbar und zeigte bei aller Virtuosität seinen emotionalen Zugang zu barocken Klängen. Der Hauptteil des Programms war aber jazzigen Stücken gewidmet. Geboten wurde auch hier eine große Bandbreite von Spirituals über Blues und Swingstandards bis hin zu Eigenkompositionen und Bearbeitungen. Langsame, gefühlvolle Stücke mit virtuosen Einlagen der meisterlich gespielten Trompete oder des Flügelhorns und den nuancenreichen, subtilen, aber auch grifftechnisch gekonnten schnellen Akkord- und Melodiefolgen der Gitarre waren das Markenzeichen des Duos.

"Friendship" und "Bennies Blues" wurden kräftig beklatscht

"Sometimes I Feel Like A Motherless Child", "Once I Loved", mit dem weicher klingenden Flügelhorn soulartig geblasen, der Bossa Nova "Sail Away" und "Wade In The Water" luden zum Träumen und Entspannen ein, ebenso wie die Kompositionen von Werner Hucks "Der Schweizsong" (bei einer Bergbesteigung entstanden) und "Coming Home" (nach der Rückkehr einer guten Freundin geschrieben). Hucks' Melodien sind eingängig, aber auf angenehme Weise eigenwillig, seine Gitarrenbegleitung harmonisch jazzmäßig mit Septimen und Sexten angereichert und sehr virtuos. Reuthners Bearbeitung von "Have You Met Miss Jones" (Richard Rogers und Lorenz Hart) erfreute durch swingende, perlende Umspielungen der Trompete und herrliche parallele Duettpassagen mit der Gitarre. Spannend wurde es mit der nach Jam-Session-Art gespielten Version von "Ladybird". Die Vorlage des Songs wurde von beiden Musikern spontan und ohne vorherige Probe aufgegriffen und in Solopassagen - fabelhaft Hucks' Vom-Blatt-Spiel - und im Duospiel temporeich, aber entspannt und genüsslich, sich gegenseitig anspornend umgesetzt. Alle Stücke wurden abwechselnd launig vom Trompeter und Gitarristen moderiert. So bedankte sich Martin Reuthner bei den Veranstaltern und Technikern sowie dem Publikum, indem er und Werner Hucks abschließend "Friendship" von Jiggs Wigham in einer weit ausschweifenden, gefühlvollen Version darboten. Die Zugabe "Bennies Blues", temporeich, mit tollen Effekten des Plunger-Trompetendämpfers und rasanten Jazzakkordgriffen der Gitarre, wurde begeistert vom Publikum beklatscht, das den stimmungsvollen Nachmittag offenbar sehr genossen hatte.

--

21.04.2013, www.die-kirche.de

Klicken Sie auf das Bildmotiv für eine größere Darstellung (PDF, 3 MB).

--

19.01.2013, Siegener Zeitung

Der Siegener Gitarrist Werner Hucks erfreute das Publikum in der Wilhelmsburg in Hilchenbach mit einem schönen Programm für Gitarre solo.

Gitarrenkonzert in der Wilhelmsburg

Hucks solo in Hilchenbach

Hilchenbach. "Sehr, sehr schön" fanden die Zuhörer den Abend mit dem Siegener Gitarristen, der klassische und jazzige Töne bot und viel erklärte und erzählte.

Eine musikalisch interessante Reise unternahm der bekannte Gitarrensolist und Komponist Werner Hucks mit seinen Zuhörern am Donnerstagabend im Dachgeschoss der Wilhelmsburg in Hilchenbach. Der noch 50-Jährige - Hucks feiert am kommenden Mittwoch seinen 51. Geburtstag - spannte einen musikalischen Bogen von Johann Sebastian Bach bis zum Jazz und anderen Stilrichtungen. Ob die Eindrücke aus drei Karibik-Urlauben und von zahlreichen beruflichen Kurztrips durch die Städte der Welt oder die Inspirationen zu dem Stück "Mittagspause", das er als 17-jähriger Gymnasiast einer ein Jahr jüngeren Mitschülerin gewidmet hatte - bei jedem Stück plauderte Werner Hucks aus dem Nähkästchen seines Lebens. Auch durch sein Jazz-Studium in Köln als junger Mann ist Werner Hucks in den verschiedensten Stilbereichen zu Hause, was er bei dem Konzertabend "Guten Abend in der Wilhelmsburg" unter der Federführung des Fördervereins Wilhelmsburg Hilchenbach unter Beweis stellte.

"Vielsaitiges" Instrument

Zahlreiche Eigenkompositionen hatte der "Alleinunterhalter", der mit einer normalen sowie einer Oktav-Gitarre nach Hilchenbach gekommen war, mit im Gepäck. "Eine Oktav-Gitarre ist immer eine Oktave höher gestimmt als eine normale Gitarre." Mit solchen und ähnlichen Erklärungen trug Hucks in seinen kurzen Anmoderationen noch ein wenig zum Allgemeinwissen des Publikums bei. Dass sich die Besucher im ersten Block nicht einfach nur von der Musik berieseln ließen, wurde, neben dem Applaus nach jedem Stück mit geflüsterten Kommentaren wie "sehr, sehr schön", vor allem durch die angeregten Gespräche in der Pause deutlich. Anstatt sich in den Backstage-Bereich zurückzuziehen, stand Hucks den Besuchern Rede und Antwort. Und auch im zweiten Teil des Konzertabends bewies er noch einmal, dass eine Gitarre als "vielsaitiges" Instrument einen ganzen Abend musikalisch mit Leben füllen kann.

--

22.08.2012, Siegener Zeitung

Jetzt 50 plus: der in Siegen lebende Gitarrist und Musikpädagoge Werner Hucks. Zum runden Geburtstag hat er eine CD herausgebracht: "50+"

Gitarrist Werner Hucks - Die Liebe seines Lebens

Siegen. Der Siegener Musiker hat sich zum 50. Geburtstag selbst beschenkt: mit der CD "50+". Im September tritt er mit Margot Käßmann auf.

50 plus ist er seit knapp sieben Monaten, hat sich längst daran gewöhnt. Aber, sagt Werner Hucks, es habe eine Zeit vor dem 50. Geburtstag - der war am 23. Januar dieses Jahres - durchaus eine "Phase des Revue-passieren-Lassens" gegeben. Die 50 sei für ihn eine Zäsur gewesen und auch ein Anlass, Rückschau zu halten. Auf ein Leben, das von Beginn an von Musik geprägt gewesen ist. Dank des Vaters, der am Feierabend auf der Gitarre Melodien spielte, dank der Mutter, die Wert darauf legte, dass Werner und die ältere Schwester Elke Blockflöte lernten und später dann Gitarre (sie) und Mandoline (er). "Ich fand aber die Gitarre interessanter. Das war dann doch meine große Liebe", sagt Werner Hucks.

"Danke an das Leben" zusammen mit Schwester Elke

Dieser Liebe ist er treu geblieben. Und zeichnet die Linien dieser lange währenden Bindung auf einem neuen Album nach: "50+" heißt die CD, auf der Werner Hucks 17 Titel zusammengestellt hat, die einen großen Teil seines Lebens spiegeln. Herrlich relaxte Stücke, die von der Leichtigkeit des Seins erzählten ("Vanessa", "Sandy Island"), Jazziges, bei dem er im Duett mit der Kölner Studienkollegin Birgitta Schaub (die als Vocal-Coach u. a. für TV-Formate wie "Unser Star für ..." arbeitet) ziemlich lässig daherkommt, oder Improvisationen wie "Manu", bei der er frei zu und inspiriert von Regenwaldklängen musiziert hat. Natürlich fehlt bei einem "Best of Hucks" auch Bach nicht. Wunderbar ist zum Beispiel das Air mit anschließendem Präludium aus dem "Wohltemperierten Klavier Nr. 1". Dass die Werke von Bach gut klingen, gleich wie sie instrumentiert sind, zeichne die besondere Qualität dieser Kompositionen aus, sagt Hucks. "Bachs Liebe zur Musik, zum Menschen und zu Gott - das spürt man der Musik ab." Was Werner Hucks mit "50+" vor allem sagt, ist Danke. "Gracias a la Vida", "Danke an das Leben", solle, schreibt er im Booklet, sein Credo nach 50 Jahren sein. Den Song von Violeta Parra hat er mit Schwester Elke, die das Stück richtig toll interpretiert, eingespielt. Und damit schließt sich auch ein Kreis zu früheren Tagen.

Aufatmen im grünen Siegen

Zu den Zeiten, als die Geschwister Wochenende für Wochenende mit dem Zug aus der Heimatstadt Duisburg-Rheinhausen ins Siegerland fuhren, um von dort aus mit Freunden - und hier zunächst vor allem mit der Gruppe Aufwind - bundesweit Musik zu machen. Das zehrte Kraft, Zeit und Geld und führte bei Werner Hucks zu dem Entschluss, nach Siegen zu ziehen, hier - am Ev. Gymnasium, wo Rektor Herbert Ochel dem jungen Musiker etlichen Freiraum für Konzertreisen und Studioaufnahmen ließ ("dafür bin ich ihm und vielen Lehrern dankbar") - sein Abi zu machen und Wurzeln zu schlagen. "Ich bin dann in Siegen geblieben." Auch weil die Stadt für einen Musiker, der hier und da und dort auftritt, verkehrstechnisch günstig liegt, auch weil ihm die Landschaft, das viele Grün, gefallen hat und immer noch gefällt. "Hier habe ich vom ersten Tag an aufgeatmet."

Musik hat eine heilsame Wirkung

Studiert hat Hucks in Köln, er ist der bundesweit erste diplomierte Musik-Pädagoge für Jazzgitarre. Als Gitarrenlehrer - er unterrichtet an der Fritz-Busch-Musikschule Siegen - ist ihm neben Griff- und Anschlagstechniken wichtig zu vermitteln, welch heilsame Wirkung Musik haben kann. Deshalb wünscht er sich, dass Musik viel mehr Platz im Leben der Familien einnehmen möge. In seinem Elternhaus sei die Hausmusik "eine ganz normale Form des sozialen Miteinanders" gewesen. Man habe zusammengesessen, geplaudert, und irgendwann habe der Vater zur Gitarre, der Onkel zur Mandoline gegriffen, es wurde Musik gemacht. Eine prägende Erfahrung. Und so kann Werner Hucks gar nicht ohne Musik, schon gar nicht ohne Gitarre. Ist er unterwegs - und er reist gern und weit und sehr gern mit dem Motorrad -, dann ist die Reisegitarre mit dem verkürzten Korpus (zu sehen auf dem You-Tube-Video "Song For Aleppo") immer dabei. Auf Konzertreisen begleitet ihn die Konzertgitarre aus der Werkstatt von Karl-Heinz Römmich, die sein Vater in den letzten Lebensjahren gespielt hat. Die sei von den Proportionen für ihn ("ich bin gerade mal 1,65 Meter groß") absolut passend, "und der Klang ist perfekt".

Zwölf Gitarren klingen besonders

Ein gutes Dutzend Gitarren zählt Hucks sein eigen. Welche er einsetzt, kommt auf den Rahmen an. So hatte er bei den Kirchenkonzerten mit Heino sowohl die Römmich- als auch eine Westerngitarre im Tourgepäck, spielte im Orchestergraben der Musicals "Les Miserables" und "Elisabeth" neben der Konzert- auch sehr viel E-Gitarre und wählt für besondere Klangeffekte gelegentlich gern seine Puglisi-Gitarre (um 1890 in Norditalien gebaut und ein Geschenk des früheren Damaris-Joy-Gitarristen Peter Mark Naujoks). Werner Hucks und seine Gitarren kommen viel herum. Ende September ist er mit Trompeter Martin Reuthner in Kaan-Marienborn zu Gast, Mitte September wird er erstmals einen Abend mit Margot Käßmann (in der Autobahnkirche Geiselwind) gestalten. Sämtliche Daten finden sich auf seiner Homepage, über die auch die neue CD zu haben ist.

Claudia Irle-Utsch

--

13.04.2010, BNN

Wer viel unterwegs ist, kann viel erzählen

Der Gitarrist Werner Hucks nimmt seine Zuhörer in Weingarten auf eine "Saiten-Reise" mit

Von den Schweizer Alpen bis in die Karibik

Wenn ein Gitarrist bisher durch 20 Länder verschiedenster Art gereist ist, dann hat er was zu erzählen. Und wie es in gehobenen Musikerkreisen so üblich ist, werden die erlebten Eindrücke und Abenteuer in Noten niedergeschrieben. Der Gitarrist und Musikpädagoge Werner Hucks nahm die Zuhörer im "anderen keller" in Weingarten mit ruhigen und zugleich aufregenden Klängen auf seine "Saiten-Reise" mit.

Im Namen seines Programms "Saiten-Reise", stecken zwei Begriffe, die das Leben von Werner Hucks trefflich beschreiben. Da sind zum Einen die Saiten seiner Gitarren, auf denen er seinen Lebensunterhalt verdient. Und da sind zum Anderen die vielfältigen Reisen von Hucks, die sich von den Schweizer Alpen über Israel bis auf eine Segeltour in der Karibik erstrecken und den Inhalt seiner selbstkomponierten Stücke spiegeln. In Kombination ergibt sich aus "Saiten-Reisen" der etwas andere Reisebericht, der ganz ohne Fotos und Videos auskommt und in den Gedanken des Zuhörers stattfindet.

Und so verzückte Werner Hucks schon mit dem ersten Stück auf seiner Römmich-Konzertgitarre, ein Erbstück vom Vater, die Zuhörer und lud ein, die Gedanken schweifen zu lassen und den Alltag zu vergessen. Dennoch sind die selbst komponierten Stücke von Hucks alles andere als lockere Hintergrundberieselung. Die Melodien rasten schon kurz nach ihrem Erklingen im Kopf des Zuhörers ein. Hucks spielt mit Seele und scheint in seinen eigenen Stücken selbst noch mal auf der Reise zu sein. Verzückt summt er bei noch so komplizierten Griffen und Fingersätzen vor sich hin, seine Gesichtszüge sind voller Emotionen.

Dabei stellt der studierte Gitarrist sein meisterliches Können nicht in den Vordergrund. Das braucht er auch nicht, denn die Schnelligkeit, Raffinesse und Kreativität eines guten Gitarristen besitzt er zu Genüge. Bei Hucks steht die Musik im Vordergrund und nicht die technische Demonstration des eigenen Könnens.

Und so wird die Stimmung im "anderen keller" nach den ersten zwei Stücken lebendiger und die Beziehung zwischen Zuschauer und Gitarrist intimer. Hucks erzählt von seinen Reisen und Erlebnissen, lässt die Höhen seiner Nylonsaiten perlen, den Bass grooven und schöpft die Dynamik seines Instruments vortrefflich aus. Zum Abschluss spielt Werner Hucks in drei Zugaben Stücke von Johann Sebastian Bach.

Doch es ist nicht der Altmeister, der den Zuhörern in Erinnerung bleiben wird, sondern Werner Hucks, der Gitarrist, der etwas zu erzählen hat.

Kevin Schrein

--

24.11.2008, Siegener Zeitung

Pure Entspannung

Unanstrengende Musik mit Werner Hucks und Martin Reuthner

Da macht man sich als bekennender Liebhaber von Gitarrenmusik zu einem Konzert von Werner Hucks auf und weiß: Damit kann man nichts verkehrt machen, da weiß man, was man hat. Und trotzdem macht sich imVorfeld ein merkwürdiges, unbestimmtes Gefühl breit: Spannung, Erwartung, Neugierde und viele Fragezeichen sind dabei. Denn es ist ein Konzert für Trompete und Gitarre angekündigt. So ein prägnantes, durchsetzungsfähiges, »lautes« Blasinstrument imDuett mit den zarten Klängen einer Konzertgitarre? So unterschiedliche, scheinbar gegensätzliche Klangfarben in trauter Zweisamkeit? Geht das gut? Kann das funktionieren? Schon nach den ersten gemeinsamen Tönen von Werner Hucks (Siegen) und Martin Reuthner (Köln) wird klar: Es kann. Und wie! Alle Zweifel sind ausgeräumt, fortan geht es nur noch darum, zuzuhören und zu genießen.

Am Freitagabend gastierte das Duo Reuthner/Hucks - die beiden lernten sich beim Musical »Elisabeth« in Essen kennen - in der Erlöserkirche in Neunkirchen-Salchendorf. Trotz der ausgesprochen ungünstigen Wetterprognosen folgten doch recht zahlreiche Musikfreunde der Einladung des örtlichen CVJM, der Evangelischen Gemeinschaft und der Ev.-ref. Kirchengemeinde Neunkirchen (Pfarrbezirk Salchendorf).

Entspannung pur hätte das Motto des Abends lauten können: Sanfte, ruhige Klänge herrschten vor, Hucks und Reuthner spielten Musik auf hohem Niveau, völlig unanstrengend, wunderbar zum »Runterkommen« nach einer stressigen Arbeitswoche geeignet. Alles war fein aufeinander abgestimmt - die Lautstärkeverhältnisse bekam das Duo mittels Verstärkertechnik in den Griff, und die Klangcharaktere der Instrumente passten hervorragend zueinander, zumal Reuthner entweder mit Flügelhorn oder gedämpfter Trompete spielte und dem einen wie der anderen unaufdringliche, oft butterweiche Töne entlockte.

Mit den Eigenkompositionen »Martinique« und »Schweiz-Song« - locker-flockige, »sonnige«, typisch Hucks'sche Stücke - verbreiteten die Musiker Urlaubsatmosphäre. Die traurig-melancholische Herbststimmung (»Autumn Mood« von Martin Reuthner) vertrieben sie mit den Klassikern »Have You Met Miss Jones?« und »Autumn Leaves«, bei denen sie sich ganz ihrer Vorliebe für den Jazz hingaben, heftig swingten und starke Soli spielten. Gospeliges wie »Wade In The Water«, ein jazziger Blues (als Zugabe) und Gefühliges wie das berühmte »Speak Softly Love« gehörten ebenso zum ausgewogenen, abwechslungsreichen Programm(in dem Hucks und Reuthner vieles von ihrer gemeinsamen CD »Friendship« vorstellten) wie zwei Choralbearbeitungen: eine eher »klassisch« vorgetragene Version von »Ich steh an deiner Krippen hier« und ein spannendes, »gedehntes« Reuthner-Arrangement von »Wer nur den lieben Gott lässt walten«.

Neben der hohen künstlerischen Qualität war insbesondere auch die sehr schöne Atmosphäre des Konzertabends allen Applaus wert.

--

28.02.2008, Borbecker Nachrichten

Mit jodelnder Trompete

Jazz-Duo eröffnete Quintinus-Konzertreihe 2008

Herzklopfen hatte das Duo Werner Hucks und Martin Reuthner bei seinem Konzert zur Eröffnung des diesjährigen Konzertprogramms der Quintinusstiftung sicher nicht. Dennoch berichteten sie von einem solchen Vorfall in der "Mittagspause". In einem so benannten Liebeslied hatte der Gitarrist Hucks als Jugendlicher seine romantischen Gefühle zwischen verzückter Freude und versonnenem Gedankentreiben eingebunden. Bei diese eher persönliche Mitteilungen wollte er es nicht belassen und wechselte mit seinem Kollege Martin Reuthner in die Karibik, genauer gesagt auf die Insel Martinique, die auch dem Lied den Titel gegeben hatte, das spritzig, aber nicht grell war, Überraschungen bot und locker blieb, weil es nicht Eventstrapazen hinterherlief. Der Beifall des Publikums war den beiden Jazzern sicher.

Das lag nicht nur an ihrem Können. Reuthner ist Mitglied der WDR-Big-Band und Hucks hat Erfahrunge aus "allen Musicalhäusern" aufzuweisen. Die applaudierende Aufnahme war ein Echo auf den zurückhaltenden, nicht exstatischen Stil. Beide inszenierten nicht sich, sondern gaben der Musik Raum, sich zu entfalten. Das erkannte das Publikum, das erfuhren sie an dessen Reaktionen.

Bei Jazzmusikern vermutet man nicht ein Bergecho und ebenso überrascht ein musikalischer Spaziergang über die Bergwiese noch mehr, wenn er dazu führt, dass die Trompete zum Jodeln abhebt. Beim Quintinuskonzert bewies das Duo Hucks und Reuthner mit seinem "Schweizsong", dass es möglich ist, harmonisch und nicht aufgesetzt wirkend möglich ist und obendrein keiner sonst in solchem Genre gern eingebauter Parodie bedarf, um das Publikum anzusprechen. Auch die "Freundschaft" kam nicht aufgeplustert daher, sondern gefühlsvoll suchte sie Anlehnung mit ihren gleichsam rufenden kurzatmigen Wiederholungen.

Die Jazzstücke, zum Teil Eigenkompositionen, waren behutsam aufgebaut. Aber auch die Choräle in dieser Gestaltungsweise fanden die Anerkennung des älteren Publikums in der Klosterkapelle der Franzisnusschwester in Bedingrade. Mit Spannung waren die Bachwerke erwartet worden. Hierbei wahrte das Duo in seiner Improvisationsneufassung die Eigentümlichkeit und den Charakter der Ursprungsfassung und konnte eben dadurch an dessen Eindringlichkeit teilhaben, so dass die Gottzugewandtheit ausströmen konne. Ein großer Applaus nahm dies auf.

In einem Schnelldurchlauf von Stimmungen führte Hucks und Reuthner das Konzert seinem Ende entgegen. Schleifende Klänge brachte die verzagte Erfahrung mit einem regenreichen Herbst zum Ausdruck und Vaterglück ließ einen wiegend-glücklichen Ton geboten sein. Bevor beide dann mit "sail away" in der Zugabe aufbrachen, hatten sie noch in herbem Klang eine gespenstische Grundmelodie gestaltet.

Das Konzert dagegen wollte ein Beitrag dafür sein, bedürftigen Menschen eine freundliche Welt zu öffnen, in dem es der Quintinusstiftung weitere benötigte Spender und Sponsoren zuführt.

--

30.01.2008, Frankenpost

Auf Rhythmen spazieren gehen

Gitarrenkonzert | Werner Hucks bringt ernsthafte Musik mit lockeren Sprüchen

Jazz, Bach und Musical - allesamt Zutaten für ein Konzert von Werner Hucks

Wunsiedel - Der Mann mit den vier Gitarren ist gut drauf am Samstagabend im evangelischen Gemeindehaus; hat er doch die Wasserscheide im Fichtelgebirge überquert und dann einen Käsekuchen im Silberhaus gegessen: "Sehr empfehlenswert", fügt er hinzu, und in diesem locker-witzigen Stil moderiert Werner Hucks den pausenlosen Abend, der gleichwohl auch viel ernsthafte Musik bringt.

Von seinen diversen Facetten zeigt er erst mal die des Komponisten: Als Musicalnummer gesungen könnte man sich die Hauptstimme seines "Family Songs" vorstellen - vielleicht der Einfluss seiner Beteiligung an "Les Misérables" und "Elisabeth"; mit sanfter Endlos-Melodie meditiert er über den Platz, von dem aus man sein Leben gestalten kann - "Coming home".

Inspiriert haben ihn auch seine Reisen in südliche Gefilde, doch "brasilianische Fantasie" oder "Sonnenaufgang auf einem Katamaran" bei Martinique sind keine oberflächlichen Tonmalereien, sondern private Bilder seiner Stimmungen - man darf auf schwebend kreisenden Akkordbrechungen oder aber energischen Rhythmen die eigenen Vorstellungen spazieren gehen lassen.

Seinen Lebensunterhalt, erzählt er, verdient er "nur" mit der Gitarre; er singt nicht, das muss er den erstaunten Fragern immer wieder bekennen. Doch ganz stimmt es nicht: Ab und zu lässt er sich mitreißen zum Mitsummen, besonders am Ende, wenn er beim Jazz landet. Immerhin kann er - nur mit Gitarre - unterrichten, und er fragt die anwesenden Musik-Pädagogen im Publikum: "Kennen Sie das auch - immer die gleichen Fehler an der gleichen Stelle?" Also hat er aus Fehlern ein "Schüler-Medley" komponiert. "Yesterday" einen halben Ton zu hoch auf dem Spitzenton "so" ist ein Lacher für sich, aber Hucks macht mehr daraus: Er zähmt die Beatles und die "Elise", die nicht in die Gänge kommt, mit dem "Pink Panther", als ob alles zusammen komponiert worden wäre.

"Ein Konzert ohne Bach geht nicht", gibt er zu und spielt seine Adaptionen der e-Moll-Partita für Violine ("viel leichter für die Gitarre") und des C-Dur-Präludiums aus dem Wohltemperierten Klavier - gelenkig und in feingestufter Dynamik. Auch zur "Tango-Schwemme" trägt er bei, indem er das "Feeling" der muffligen Bewohner seiner Heimatstadt Siegen schildert - "Tango triste". Und nach einer Hommage an Bachs Vertonungen von Texten von Paul Gerhardt, einer zarten und innigen Version von "Ich steh an deiner Krippen hier", darf er endlich improvisieren, Akkorde und Melodiegänge in kreative Rhythmen zwingen: Jazz hat er studiert.

Bärbel Lüneberg

--

17.09.2007, Siegener Zeitung

Zwischen Tango und Jazz

Gitarrist Werner Hucks spielte in der ev. Kirche Eichen

Die Veranstaltungsreihe zum Jubiläumsjahr der ev. Kirche Eichen neigt sich langsam dem Ende. Bevor die Blechbläser von pro musica sacra die letzte Fanfare zum 50. Geburtstag blasen, spielte am Freitagabend Gitarrist Werner Hucks ein tolles Solokonzert. Bedauerlich, dass dieses Mal nur ein Bruchteil des Riesenpublikums der letzten Konzerte den Weg in die neu gestaltete Kirche gefunden hatte, denn der qualitativ hochwertige Auftritt des sympathischen Musikers stand den Leistungen der vorangegangenen Gospel- und Barock-Vertreter in keiner Weise nach.

Werner Hucks (45) erwies sich als facettenreicher Instrumentalist, der die gespannten Zuhörer in ferne Länder und in die Vergangenheit entführte. Der Musikpädagoge eröffnete den Abend mit einigen Eigenkompositionen, zu deren Inspiration er teils witzige, teils dramatische persönliche Anekdoten preisgab. Dabei wanderten die Finger ebenso präzise wir ruhig auf den Saiten und zupften schöne Melodien, die sich schnell in den Ohren festsetzten. Die oft mitschwingende Melancholie passte zudem prächtig in die Atmosphäre des sich gerade ankündigenden Herbstes.

Als besondere Überraschung hatte Hucks seine alte Gretsch-Jazzgitarre mitgebracht, für die er als 17-jähriger sein Erspartes zusammengekratzt hatte. Offenbarte der zerschlissene Koffer, längst mehr als nur Siegerländer Boden unter sich gehabt zu haben, so sah das herrlich anzusehende Instrument aus, als wäre es erst gestern im Laden erstanden worden. Auf dem edlen Stück schlug Hucks verträumte Akkorde und schwelgte mit einem Stück der tragischen Sängerin Billie Holiday in den goldenen 30ern.

Aus Brasilien hatte der leidenschaftliche Kulturtourist ein temperamentvolles Volkslied mitgebracht, dessen virtuose Inszenierung für vile Beifall sorgte. Nach einem südamerikanischen Tango und dem nostalgischen Filmsong "Moon River" kamen zum Finale auch die Klassikfreunde auf ihre Kosten, indem Hucks noch einige Werke von Bach zum Besten gab, ein Repertoire, das sich ungleich großzügiger in seinen übrigen Konzerten niederschlägt.

Jo

--

17.09.2007, Westfälische Rundschau

Gitarrist Werner Hucks begeisterte seine Zuhörer beim Konzert in der Eichener Kirche

Virtuoses Geburtstagsgeschenk zum 50-jährigen Bestehen

Sehr persönlich gestaltete der Siegener Gitarrist Werner Hucks sein klingendes Geburtstagsgeschenk in der Evangelischen Kirche anlässlich ihres 50jährigen Jubiläums.

Immerhin ist der Künstler schon seit Jahren hier ein gern gesehener Gast, und dieses Mal hatte er vile eigene Kompositionen im Gepäck. Vor jedem seiner Stücke erzählte er dessen Entstehungsgeschichte, welche eindrücke ihn zu der Komposition beflügelten.

"Bei ´Coming Home´ ist mir die Melodie nur so aus den Fingern gerutscht" erinnerte er sich. Musikalische Reiseeindrücke hatte Hucks aus der Karibik mitgebracht, erzählte lautmalerisch mit seiner Gitarre von den Lichtspielen auf dem grün-blau schimmernden Meer, von sich wiegenden Booten und auch von Tropenstürmen: die anfängliche Leichtigkeit des hellen Gitarrenklanges täuschte, denn schon bald kam der Sturm näher, ausdruckvoll geschildert von kräftigen, fast schon geschlagenen, bedrohlich wirkenden Akkorden; und dann zog das Unwetter ab, die leisen, letzten Instrumententöne verebbten.

Nach glockenhellen, klaren Klängen einer Oktavgitarrebegeisterte er mit dem warmen, vollen Sound seiner Gretsch-Jazzgitarre und der Interpretation etlicher wohlbekannter Songs wie "All the things you are", "Autumn leaves", dem nachdenklich stimmenden "God bless the child" oder der Fingerakrobatik bei "I'm glad there is you". Schade nur, dass der Verstärker einzelne Misstöne hineinmogelte. Zum Träumen schön auch "Moon river", feurig eine Samba und melancholisch der "Tango triste", von Hucks an einem Siegerländer Regentag komponiert. Ein Stück Himmel wurde spürbar in der hellen Kirche beim "Präludium in C" aus dem Wohltemperierten Klavier Nr.1 von Johann Sebastian Bach. Und Musik vom Feinsten war Hucks Bearbeitung von Bachs "Ich steh an deiner Krippe hier". Kaum zu glauben, dass eine Gitarre so variationsfähig ist.

jul

--

20.10.2004, Westfälische Rundschau Siegen

Mit "Aufwind" fing es an

"Ich will da wohnen, wo die Musik spielt." Der talentierte Teenager vom Niederrhein wusste 1979 ganz genau, was er wollte, als er im Sekretariat des Evangelischen Gymnasiums Weidenau (EV) aufkreuzte. "Ich heiße Werner Hucks und möchte den Direktor sprechen."

Entweder, er würde mit Klasse elf die Schule abbrechen, teilte der junge Mann Oberstudiendirektor Herbert Ochel mit, oder er könne am Siegener EV sein Abitur machen. Nachdem Ochel mit der überraschten Mutter Hucks in Rheinhausen telefoniert hatte, lief alles glatt: Hucks bezog zusammen mit dem musikalisch ebenfalls sehr interessierten Hartmut Nitsch ein Zimmer, und dann wurde der Leistungskurs Musik belegt.

Hucks: "Mensch - war ich aufgeregt"

Es sollten die besten Jahre des angehenden Gitarristen werden. "Was Ochel versprach, hielt das gesamte Kollegium", erinnert er sich. Während der zwei Jahre bis zum Abi spielte er in der Gruppe "Aufwind" mit, einem Projektchor mit außergewöhnlichen Sängerinnen, Sängern und Musikern. Es entstanden drei LPs, es gab unzählige Auftritte.

"Beim Evangeliumsrundfunk in Wetzlar hatte ich erstmals Kontakt mit christlicher Musik bekommen", berichtet Hucks. "Damals arbeitete Niels Kjellström als musikalischer Leiter beim ERF, Johannes und Hartmut Nitsch waren da ebenfalls beschäftigt. Erhard Diehl war Redakteur der "Jungen Welle" und auch Andreas Malessa lief da immer rum - der hatte eine riesige Plattensammlung mit christlicher Musik." Die erste LP überhaupt, bei der Hucks die Gitarrenparts übernahm, war "Zeitpunkte" von Manfred Siebald. Er erinnert sich: "Mensch, war ich aufgeregt." Johannes Nitsch hatte ihm damals einen Gitarrenlauf ("auf dem zehnten Bund mit Kapodaster") gezeigt - genau der gefiel dem Studiochef von Panne & Paulsen besonders.

Seine große Liebe gilt dem Jazz, aber auch der klassischen Gitarre. Als erster "Dipl. Musikpädagoge" Deutschlands studierte er in Köln Jazz beim Posaunisten Prof. Jiggs Whigham, spielte mit internationalen Spitzenleuten wie den Saxophonisten Charlie Mariano, Lee Konitz oder dem Trompeter Ack van Rooyen zusammen. "Leider funktioniert Jazz in der christlichen Szene noch nicht sehr", sagt Hucks. "Es gibt Leute, denen Musik immer noch unheimlich ist, wenn die Interpreten keine Lederhose an haben."

Als Gitarrist im Musical "Les Miserables" zog er für vier Jahre zurück ins elterliche Haus. Nach einem weiteren Musical-Engagement bekam er eine Stelle als Musikpädagoge an der Fritz-Busch-Musikschule. Seine Instrumentalstücke, auf inzwischen acht Solo-CDs veröffentlicht, gehören nach wie vor zu den meist gespielten im Programm des ERF in Wetzlar.

Manfred Keßler

--

20.10.2004, Westfälische Rundschau Siegen

Stasi machte sich grimmig Notizen

Mit dem Sänger Jan Vering gab Werner Hucks in den 80er Jahren hunderte von Konzerten im gesamten deutschsprachigen Raum.

Dazu gehörten auch etliche "Grußwortkonzerte" in der damaligen DDR: Es war in Ost-Kirchengemeinden damals üblich, musikalische Gäste aus der BRD einzuladen. Spirituals und Gospelmusik waren eine beliebte "Eintrittskarte". "Konzerte waren nicht gestattet, Westgäste durften da nur ein Grußwort sagen", erinnert sich der Gitarrist. "Aber das dauerte dann eben mal zwei Stunden lang. Unter den Augen und Mikrofonen der Stasileute wurde 'Joshua fit the Battle of Jericho' von den einen frenetisch beklatscht, während die anderen sich grimmig Notizen machten." Bei der Zeile "the walls came tumblin down" ("die Mauern stürzten ein") schlugen sich die begeisterten Zuhörer lachend auf die Schenkel.

Manfred Keßler

--

17.12.2000, Westfälische Rundschau Siegen

"Saitenweise" Geschichten und lyrische Konzentrate

"Leise Töne im Lyz" hieß das "Oase"-Programm. Zwei Gitarristen: Werner Hucks, ein Geschichtenerzähler - witzig, schweifend, locker. Der andere, Mario Mammone, ein Lyriker: ein Meister der konzentrierten Form, sparsam, intensiv, manchmal herb. Hucks startete mit Bach: Zuerst das Präludium aus der dritten Cellosuite, dann zwei Sätze aus der Partita h-moll für Solovioline. Für Geiger sei das halsbrecherisch, erläuterte Hucks, auf der Gitarre dagegen einfach, "wegen der genialen Erfindung der Bundstäbchen". Darum habe er während seiner Orchesterjahre oft vor Vorstellungen Parts daraus gespielt - "am liebsten im doppelten Tempo. Dann wurden die Streicherkollegen, die sich im Studium an den Sachen abgearbeitet hatten, sehr traurig. Ich finde, Streicher klingen melancholisch irgendwie besser." Hucks` Zugang zur Klassik ist unbekümmert: Dass bei einer Gitarre mit Tonabnehmer Endungen mitunter percussiv "knallen", dass das untere Register enorm in den Vordergrund tritt, stört ihn nicht. Für ihn ist Bach vor allem ein Melodiker, aus dessen Fundus er sich vergnügt bedient. Für eine Suite griff Hucks zu seinem 1826 gebauten Guiliani-Instrument. Auch dazu natürlich eine Geschichte: "Die war rot lackiert, mit Fußball-Aufklebern drauf, als sie irgendwo im Siegerland entdeckt wurde." Es folgten ein Werk des Brasilianers Heitor Villa Lobos, Jazz-Standards und Eigenkompositionen. Dann kam "Lirico", Mammones Trio: Zusammen mit dem phantastischen Kontrabassisten Jan Flubacher und dem Saxophonisten/Klarinettisten Johannes Lemke schuf der Ausnahmemusiker Atmosphären und Klangbilder von atemberaubender Dichte. Da gab es Passagen, die klar wie Kristall wirkten, andere pulsierten vor Wärme und Leidenschaft. Lemke - seit Jahren Mammones kongenialer Partner - fand zu wunderbar expressiven Farben. Er konnte tanzen auf seinen Klängen, konnte aber auch - dank Zirkulationsatmung - einen einzigen Ton minutenlang messerscharf durchklingen lassen. Dazu Flubachers und Mammones rhythmische Dialog-Geflechte, brodelnd und voller Glut - spannend. Das war große Musik. Klar, dass Hucks irgendwann dazustieß. Da wurde erneut klar, wie sehr sich diese beide so unterschiedlichen Gitarristen schätzen.

Jan Vering

Zum Seitenanfang