Interviews

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sound7, 05.09.2007

Werner Hucks - Ein Gitarrist auf (Saiten-)Reise

Ich bin bekennender Klavier-Liebhaber. Der Klang einer schönen Klavierballade bringt mich zum Träumen. Ein Gitarrenstück hat das noch nie geschafft. Bis ich diesen Mann kennen gelernt habe.

Das Instrument, was in der Jungschar als Schrummel-Begleitung herhalten muss, macht dem Piano Konkurrenz. Zumindest, wenn er am Werk ist: Werner Hucks...

Er ist Konzertgitarrist, Studiomusiker, Komponist, Begleiter, Workshop-Leiter und bundesweit erster Diplom-Musikpädagoge für das Fach Jazzgitarre. Vor allem aber ist er ein Vollblutprofi, der mit Leidenschaft tut, was er liebt. Seit über 25 Jahren ist Werner Hucks als Gitarrist unterwegs, gab mehr als 2.500 Konzerte, wirkte bei über 1.000 Musical-Shows mit, trat in Rundfunk und Fernsehen auf und spielte als Studiomusiker mehrere hundert Titel ein.

2006 veröffentlichte er seine dreizehnte Platte mit dem Namen »Saiten-Reise«, sowie 2007 eine ganz neue CD, die er gemeinsam mit Frank Röcher und Werner Hoffmann produziert hat. »Breit aus die Flügel beide« heißt die Platte mit Texten von Paul Gerhardt.

Grund genug, mal wieder nachzuhaken, was der Gitarren-Virtuose denn so treibt. Und siehe da - er reiste nach Brasilien.

Werner, du warst dieses Jahr mit deiner Gitarre in Brasilien auf Reisen. Was hast du da gemacht?

Ich war als Teilnehmer auf einem Seminar für brasilianische Gitarre, das der in München lebende Gitarrist Ahmed El-Salamouny gegeben hat. Außerdem habe ich natürlich die Gelegenheit genutzt, dieses wunderbare Land ein wenig kennen zu lernen.

Als Teilnehmer? Gab es tatsächlich etwas, das du da noch gelernt hast? Du spielst immerhin seit dreißig Jahren Gitarre!

Ja, weil Gitarristen in Brasilien natürlich brasilianische Musik authentisch spielen. Ahmed ist in diesem Bereich durch seine vielen Kontakte zu brasilianischen Musikern ein absoluter Fachmann, der mit viel Liebe zum Detail und dem Sinn für das Wesentliche, Profis und Hobbygitarristen wertvolle Impulse geben kann. So konnte ich sowohl von Ahmed direkt einiges lernen, aber natürlich auch von den vielen Konzerten und Orten an denen wir in Brasilien Musik live erlebt haben.

Wie lange warst du dort?

Insgesamt 17 Tage. In der ersten Woche waren wir in Imbassai. Das liegt etwa 100 Kilometer nördlich von Salvador de Bahia, direkt an der Küste, wo wir den eigentlichen Workshop hatten. Danach haben wir jeweils fünf Tage in Salvador und in Rio verbracht.

Was hat dich an diesem Land besonders fasziniert?

Bei den Menschen die Mentalität der Brasilianer. Schon auf dem Flug von Frankfurt nach Salvador hat es Spaß gemacht mit den Brasilianern zusammen zu sein. Sie sind höflich, freundlich und haben jede Menge Esprit. Ich hatte tatsächlich auf dem Hinflug neben einer Sambatänzerin gesessen. Das war wirklich ein toller Einstieg.

An dem Land selber die unglaublichen Landschaften, die Vielseitigkeit der ethnischen Gruppen und die Art, in der die schwarze Bevölkerung es - im Gegensatz zu den Afro-Amerikanern - geschafft hat, ihre Wurzeln zu pflegen.

In Brasilien gibt es noch uralte afrikanische Traditionen die überlebt haben. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Salvador de Bahia der allergrößte »Umschlagsplatz« für Sklaven war. Es gab ca. 3-5 Millionen Schwarzafrikaner, die über Salvador nach Südamerika kamen. In ganz Nordamerika reden wir über ca. 500.000 Sklaven (!), die direkt aus Afrika kamen.

Und was hat dich musikalisch am meisten beeindruckt?

Eigentlich das Gleiche, was ich gerade aufgeführt habe, denn in Brasilien findet fast alles sehr schnell einen musikalischen Ausdruck. Die Vielfalt der Rhythmen und Stile, die Romantik der Melodien und der Reichtum der Harmonien sind in dieser Art einzigartig und haben mich sehr berührt.

Dann hatte ich den Eindruck, dass in Brasilien gerade eine neue Musikszene entsteht (so ähnlich wie in den 80ern die christliche Musikszene) mit eigenen Protagonisten, Szene-Cafés, Plattenfirmen, Festivals.

Es war eine fast spürbar prickelnde Atmosphäre in den Clubs in Rio, in denen sich die Musiker übrigens andauernd gegenseitig bei ihren Konzerten besuchten. Die Musiker spielten nichts gar Gekochtes sondern waren enorm kreativ und offen für neue Impulse. Das war sehr stark!

Das hat mich an die Pionier-Jahre der christliche Szene und an die Anfänge des Jazzstudiums in Köln erinnert.

Würdest du ein besonderes Erlebnis von dieser Reise mit uns teilen?

Ja gerne. Schon vor der Reise hatte ich mir vorgenommen vor der Christusfigur in Rio de Janeiro, also auf dem Corcovado, das gleichnamige Lied von Antonio Carlos Jobim zu spielen. Die Melodie kenne ich seit vielen Jahren, und ich wollte sie gerne in dem Land erleben, in dem sie entstanden ist. Es war ein Traum von mir, der Wirklichkeit geworden ist.

Werner Hucks, Brasilien, 2007

Und noch ein Bild, dass ich nie vergessen werde: in einem kleinen Club spielte eine Band von Paulo Becker. Wie so oft fingen einige Leute an, zu der Musik zu tanzen, und wenn gute brasilianische Tänzer oder Tänzerinnen tanzen ist, das eine ganz andere Sache als das, was du bei uns in den Jazz Clubs siehst, wenn die Leute ein bisschen rumwackeln.

Bei einem wirklich »heißem« Bass-Solo entwickelte sich ein Dialog zwischen einer Tänzerin und dem Bassisten. Sie machte jede Nuance seines Solos mit Bewegungen nach und inspirierte ihn damit zu immer neuen Ideen. Es waren absolut magische zehn Minuten. Es ist die Art, wie Menschen in Brasilien mit Musik umgehen, die mir wirklich gefallen hat. Sie spielen nicht ihre Jobs sondern leben die Musik

Und gab es etwas, das dich sehr erschüttert hat? Etwas, das du so nicht erwartet hättest?

Die Armut und die Lebensumstände in einigen Gebieten der Favelas. Es ist schon so, dass in den Favelas in Häusern, die fast zusammen fallen, Menschen an ihren Laptops sitzen, oder mit dem Handy telefonieren. Das ist in Brasilien kein Gegensatz. Aber es gibt auch diese ganz armen Gebiete, wo du einen Kloß im Hals bekommst wenn du siehst, wie die Leute leben.

Und nun wieder zuhause. An welchen Projekten arbeitest du gerade?

Hauptsächlich beschäftige ich mit meinem Soloprogramm. Im Moment bin ich aber auch mit Werner Hoffmann und einem sehr guten Paul-Gerhardt-Programm unterwegs. Außerdem probe ich mit einigen Musikern für das ein oder andere Duo-Konzert (Trompete, Percussion, Gesang). Da möchte ich aber noch nicht zu viel verraten.

Wie viele Konzerte spielst du momentan?

Dieses Jahr werden es bisher so um die fünfzig Veranstaltungen gewesen sein. Zwanzig davon waren »typische Konzerte«, die anderen Auftritte integriert in Veranstaltungen mit unterschiedlichem Programm

Mal ganz ehrlich, was ist dein Lieblingsveranstaltungsort?

Ein schöner, gut beleuchteter Raum (gerne mit Kerzenlicht), der mit 100-200 Menschen gut gefüllt ist und eine gute Akustik hat.

Was sind deine Träume und Ziele?

Im Moment lebe ich meinen Traum mit und von meiner Musik leben zu können. Hoffentlich kann ich das auch in den nächsten Jahren. Eins meiner Ziele ist es, an meinem Instrument weiter zu kommen.

Welche Rolle spielt der christliche Glaube in deinem persönlichen Leben?

Eine große! Aber ich trage ihn und meine Biografie nicht plakativ vor mir her, sondern betrachte viele Bereiche meines religiösen Lebens als meine Privatangelegenheit.

Was muss der Leser auf jeden Fall über dich wissen?

Ich liebe den Klang schwingender Saiten.

Werner, vielen Dank für deine Zeit. Ich freue mich, hoffentlich bald wieder eine neue Platte von dir in Händen halten zu dürfen.

Das Intvervie führte:
Jule Pfüller

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eXact! Februar/März 2007

Ein Siegerländer auf Saitenreise
Werner Hucks - seit Jahren eine konstante Größe für jazzig-klassische Gitarrenmusik

eXact!: Hallo Werner, schön, dass Du Dir Zeit nimmst für unser Interview! Scheinbar lange war es still um Dich auf dem CD-Markt, nun kommst Du gleich mit zwei Veröffentlichungen wieder. Derzeit ist es ja "in", dass Künstler, die in den späten 80er-Jahren aktiv waren, jetzt wieder auftreten. Nutzt du die Gunst der "Retrowelle" oder was hat Dich bewegt, wieder ins Studio zu gehen?

Werner Hucks: Na, dazu gibt es einiges zu sagen: es gibt zwei Soloproduktionen von mir aus den letzten beiden Jahren, "Faszination Gitarre" 2004 und "Saiten-Reise" 2006 so wie eine ganz neue CD die wir gemeinsam mit Frank Röcher und Werner Hoffmann produziert haben: "Breit aus die Flügel beide" mit Texten von Paul Gerhardt. Davor war ich einige Jahre in der Musicalszene aktiv wo ich auch auf dem ein oder anderen Tonträger mitgewirkt habe. Also: ich sehe da eher eine kontinuierliche Arbeit im  Tonträgerbereich nur mit unterschiedlichen Akzenten.

Die Tatsache, dass ich in den 80ern und natürlich vor allem in den 90ern sehr viel gespielt habe, hängt mit Sicherheit mit dem damaligen Zustand unserer christlichen Musikszene und auch meinem Alter zusammen. Es waren die Jahre, in denen viele Konzerte möglich waren und ich noch Freude hatte bis zu 250 Tagen im Jahr unterwegs zu sein. Das ist heute anders.

Eine CD zu produzieren ist immer ein Privileg und eine sehr gute Möglichkeit, seinen künstlerischen Standpunkt zu definieren und noch mal offensiv "an den Markt" zu gehen. Leider kann ich jetzt schon sagen, dass Gitarrenmusik weniger gefragt ist als in all den Jahren, in denen ich Musik gemacht habe. Von meiner neuen CD hat mein Verlag nur einige hundert Einheiten verkaufen können. Meinen anderen Gitarrenkollegen geht es auch nicht besser. Hoffentlich stirbt da nicht eine wunderschöne Kunstform aus. Wer nicht ganz groß "Worship" oder "Lobpreis" auf seine CDs schreibt, hat in unserem Bereich keine Chance auf vernünftige Verkaufszahlen, als Instrumentalist schon gar nicht.

eXact!: Das wäre natürlich schade, da dann würde wirklich etwas verschwinden würde, was seinen Platz in der christlichen Musikszene schon immer gehabt hat. Wenn Du sagst, dass Du früher mehr auf Tournee warst als heute und Du Dein Engagement beim Musical nicht mehr hast, wie sieht denn dann Deine musikalische Planung weiter aus?

Werner Hucks: Was den freiberuflichen Bereich angeht, mache ich mir keine Illusionen. Er ist im Moment am Boden. Meiner Einschätzung nach wird es noch drei bis vier Jahre dauern, bis er sich wieder erholt hat, wenn überhaupt. Nach wie vor freue ich mich über jede Gelegenheit, meine Gitarrenkonzerte geben zu können. Aber die Nachfrage geht gegen Null. Die Zeit in der ich zweitklassige Sänger und fragwürdige Persönlichkeiten unserer "Szene" begleitet habe, ist aber auch vorbei. Schlechte Musik brauche ich nicht mehr.

eXact!: Das hört sich nach starkem Frust rückblickend auf die "goldenen 90er Jahre" an, zumal manch früherer Weggefährte von Dir nach wie vor seine Stellung in der christlichen Szene hat. Gäbe es für Dich jemanden, wo es Dich reizen würde gemeinsam mit auf der Bühne zu stehen? Hast Du noch Vorbilder oder Größen in der christlichen Musikszene, die Du "bewunderst"?

Werner Hucks: Frust ist nicht das bestimmende Element. Ich bin froh und dankbar über die Jahre, in denen ich so intensiv unterwegs war. Was "Liedermacher" angeht: gemessen mit allgemein gültigen Parametern wie Rhythmik, Intonation oder Technik am Begleitinstrument ist der in unserer Szene bekannteste Liedermacher sicherlich kein guter Musiker, auch wenn seine Lieder noch gehört werden. Das hat andere Gründe.

Begriffe wie Vorbilder, Größen oder Bewundern assoziiere ich nicht mir der christlichen Szene. Musiker wie Keith Jarrett, Al Jarreau, Ray Charles, Stevie Wonder oder auch Diana Krall sind für mich menschlich und musikalisch Vorbilder, deren Musik mich auch berührt. Um mit denen auf einer Bühne zu stehen, würde ich um die ganze Welt fliegen.

eXact!: Du sagtest gerade, dass man zur Zeit nur mit dem Begriffen "Lobpreis" oder "Worship" eine Nachfrage befriedigen kann. Ich gebe Dir da bedingt Recht, merke aber auch, dass sich auf dem Gebiet der christlichen Rockmusik wieder einiges - auch sehr anspruchsvolles - tut. Wobei Dir als studiertem Jazzmusiker, diese Richtung wahrscheinlich eher als ein Graus durch die Ohren weht. Wie beobachtest Du aus Deiner Sicht derzeit die christliche Musikszene? Hat sie in Deinen Augen noch die Aussagekraft wie in den 80er/90er Jahren?

Werner Hucks: Ich mag alle Arten von guter Musik, das kann Hard Rock, Metal, Ska, Samba, Klassik oder natürlich auch Rock sein. Wenn ich aber merke, dass die Leute auf der Bühne nicht mit ganzem Herzen dabei sind und ihr Handwerk nicht vernünftig gelernt haben, habe ich keine Freude an der Musik.

Zu deiner zweiten Frage: nein, diese Aussagekraft hat sie m.E. nicht mehr und hat sie sich nehmen lassen durch das Verwässern in musikalischen Gebieten, für die eigentlich gemeindeinterne Musiker zuständig sind (siehe Lobpreis und Anbetung). So eine Art von Musik gehört meiner Meinung nach nicht auf eine größere Bühne, sondern ist Privatangelegenheit. Unsere Musiker haben den Status des Vordenkers oder kritischen Mitdenkers, des kulturell Bereichernden und künstlerisch Tätigen nicht mehr vorne auf ihrer Prioritätenliste. Vielleicht kommt das aber wieder!?

eXact!: Mal wieder zurück zu Deinen beiden Neuerscheinungen. Das Du Deinem Stil treu geblieben ist, merkt man den beiden Scheiben an. Dass Du dich weiterentwickelt hast, ist auch hörbar. In wie weit hat Deine Zeit beim Musical das "Songwriting" (nennt man das so bei Instrumentalmusik?) beeinflusst? Und hättest Du nicht mal Lust eine CD mit einem ganzen Orchester - wenn es finanzierbar wäre - aufzunehmen?

Werner Hucks: Vielen Dank und: das nennt man Komponieren! Ja ich denke, dass sich im Laufe der Jahre eine bestimmte Stilistik herausgebildet hat: bestimmte Akkordfolgen, Harmonien, Melodien und Rhythmen, die ich sehr gerne mag und die typisch für mich sind. Das Musical hat aber keinen Einfluss auf meine Kompositionen gehabt.

Tja und zu deiner Frage mit dem Orchester: im Moment liegt mir das nicht am Herzen. Vor ca. 13 Jahren habe ich mal eine CD mit Orchester aufgenommen. Das war schon eine sehr gute Erfahrung: Aber zurzeit mag ich Gitarre solo am meisten. 

eXact!: Ich erinnere mich noch an Deinen Auftritt beim ersten PILA Pop- & Gospelfestival, wo Du ein Lied spieltest, was Du für Siegerländer geschrieben hast, die deprimiert im Regen an Deinem Wohnzimmerfenster vorbeischlappen. Wie kommst Du auf Deine Ideen?

Werner Hucks: Landschaften sprechen mich sehr an und inspirieren mich oft. Ich versuche dann bei einem starken Eindruck die Stimmung wieder zu geben, die ich empfunden habe, als ich die Landschaft gesehen habe. In diesem Sinne bin ich ein Romantiker. Oft sind es aber auch menschliche Begegnungen, die ihre inspirierenden Spuren hinterlassen.

eXact!: Wie viele Gitarren nennst Du dein Eigen und verbindest Du mit einer davon ein besonderes Ereignis?

Werner Hucks: Im Moment sind es 14 und fast jede hat eine nicht alltägliche Geschichte. Beim Blick gerade über mein Gitarrenregal blieb ich gedanklich bei meiner Gretsch Country Gentleman hängen, die ich mit 17 Jahren gekauft hatte und die bei sehr vielen Konzerten mit der Band "Aufwind" im Einsatz war. Damals habe ich Monate gebraucht, um das Geld für diese Gitarre zusammen zu bekommen. Aber es hat sich gelohnt! 

eXact!: Wenn Dir jemand das Angebot machen würde, Deine Wunschband zusammenzustellen, mit der Du auf Tour gehen dürftest, wer wäre dabei?

Werner Hucks: Charlie Mariano am Saxophon, Ralf Gustke an den Drums, Hemmi Jost am Bass, Mario Argandonja an den Percussions und Lyle Mays (von der Pat Metheny Band) an den Keyboards. 

eXact!: Dein aktuellstes Werk ist eine Art "Hörbuch-CD" mit Werner Hoffmann. Rechtzeitig zum Paul-Gerhardt-Jahr habt ihr zusammen die Produktion "Breit aus die Flügel beide" aufgenommen. Werner Hoffmann liest ausgewählte Paul-Gerhardt-Liedtexte und Du spielst dazu Gitarrenbearbeitungen. Wie seit ihr denn auf die Idee gekommen?

Werner Hucks: Ich wollte vorher schon in Zusammenarbeit mit Gerth Medien ein Hörbuch veröffentlichen. Aber von deren Seite war nicht viel Interesse da. Als mich dann Werner Hoffmann von sich aus fragte, ob ich an diesem Projeklt mitarbeiten wollte, war ich sehr froh, auch meinen Beitrag zu dem Paul Gerhard Jahr beisteuern zu können.

eXact!: Deine Gitarrenarrangements zu den Paul-Gerhardt-Liedern reichen von klassisch-getragen bis zu beschwingt-jazzig. Hast Du nicht Angst, dass diese fragilen Kompositionen durch die zwischenrein gesprochenen Texte beim Hören "untergehen"?

Werner Hucks: Habe ich nicht. Es ist ja eine sehr schöne Kunstform, Texte mit Musik zu unterlegen. Und mit Werner Hoffmann war es wirklich eine Freude im Studio Stimmungen zu den Texten zu erzeugen.

eXact!: Interessant ist, dass ihr die CD gleichzeitig im Studio aufgenommen habt, so hat das ganze dann schon fast einen Live-Charakter. Für das Paul-Gerhardt-Jahr seit Ihr ja auch zusammen mit dem Programm auf Tour. Was erwartet den Besucher einer solchen Veranstaltung?

Werner Hucks: Wir werden schon aus dem Repertoire der CD schöpfen uns aber sicher auch künstlerisch treiben lassen und im Rahmen dieser Kunstform improvisieren.

eXact!: Dürfen wir uns auf weitere Veröffentlichungen von Dir freuen?

Werner Hucks: Im Moment ist nichts Neues anvisiert aber ich denke schon, dass ich in 2-3 Jahren wieder ins Studio gehe.

eXact!: Danke für das Interview und hoffentlich hören und sehen wir Dich noch länger. Gott mit Dir, bleib behütet!

Friedemann Schmidt/Volker Gruch

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März 2006

Akustisch, fantasievoll und beschwingt...

Über 25 Jahren ist Werner Hucks als Gitarrist unterwegs, gab mehr als 2.500 Konzerte und wirkte bei über 1000 Musical-Shows mit. Nebenbei trat er in Funk und Fernsehen auf. 

Eine Sache, die Menschen, die mit dir zusammen arbeiten, hoch schätzen, ist, dass du dich in mehreren Musik-Richtungen zu Hause fühlst. Gibt es momentan ein Genre - oder ein Lieblings-Live Programm, das du gerade favorisierst? Wenn ja, warum?

Tja, nachdem ich in den letzten Jahren in zum Teil sehr großen Ensembles gespielt habe, genieße ich im Moment jedes einzelne Gitarrenkonzert ganz besonders. Für mich ist es eine tolle Kunstform, mit nur einem Instrument einen musikalischen Bogen von Klassik bis hin zu moderneren Stilen zu spannen und gleichzeitig gute Unterhaltung zu bieten. Also: Gitarre-Solo!

Hat  Werner Hucks  ein Lieblingslied? Wenn ja, welches?

Ja! "Narrow Daylight" von Diana Krall aus der CD "The Girl In The Other Room".

Der Titel Deiner neuen CD "Saiten-Reise" lässt ja schon ein wenig Fernweh aufkommen. Gibt es eine Reise, die Dich besonders inspiriert hat - vielleicht sogar für ein Lied?

Vor einigen Jahren war ich mit zwei Bekannten auf einem Katamaran in der Karibik unterwegs und von dieser Reise hab ich mit Abstand die meisten neuen Melodien und Kompositionen mitgebracht.

Wenn ich im Moment die Möglichkeit hätte, würde ich sehr gerne in den Westen der USA fliegen und dort eine Tour mit einer Harley-Davidson unternehmen.

Im Werbetext zu deiner CD steht, dass dich der Glaube an Gott und die heilsame Wirkung der schwingenden Gitarrensaiten motiviert und beflügelt. Was genau meinst du, wenn du sagst, dass dich der Glaube beflügelt?

Beflügelt im Sinne von: aus meinem Blickwinkel herausfliegen und das Leben immer wieder aus einer anderen Perspektive sehen können. In unserem Fall als Christen aus der Perspektive, dass wir von Gott gewollte und geliebte Menschen sind, die das Leben geschenkt bekommen haben und es nutzen sollen. 

Du hast bei dem bekannten Musical "Les Miserables" mitgespielt. Eine sehr beeindruckende Geschichte über Liebe und Leid in sozialen Missständen, die durch die französische Revolution noch schlimmer wurden. Wie hast du persönlich diese Shows erlebt? Verliert sich das Interesse an der Handlung, wenn man die gleiche Aufführung schon mehrere duzend Male gespielt hat?

Ich habe die Shows genossen, obwohl sie mit Pause 3,5 Stunden lang waren. Das bedeutete, dass wir als Orchester samstags und sonntags sieben Stunden unser Instrument in den Händen hatten und auf einem sehr hohen Niveau musiziert haben. Das ist sehr, sehr anstrengend! Aber für dieses Musical hat sich die Mühe gelohnt. Mein letzter musikalischer Direktor sagte einmal: "jedes Mal wenn ich eine Show 'Les Miserables' dirigiert habe, habe ich den Eindruck, dass die Welt jetzt ein kleines Stück besser geworden ist".  

Im Gegensatz zu vielen anderen Musicals war bei 'Les Miserables' der inhaltliche Aspekt prägend für die ganze Atmosphäre im Theater. Es war für uns alle nicht nur ein Job.

Wie viele Gitarren hat Werner Hucks?

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Herzlichen Dank für das Gespräch!


Das Interview führte:
Wencke Timm

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sound7.de, 22.06.2004
www.sound7.de

WERNER HUCKS IM INTERVIEW

»Ich hatte soviel menschliche und geschäftliche Abgründe in der christlichen Szene erlebt«

Es ist schon einige Jahre her, dass Werner Hucks ausschließlich auf »christlichen Bühnen« zu Hause war. In der Zwischenzeit lernte er auch die »große weite Welt« der Musik kennen und hatte einige Erfolge. Was ihn vor Jahren bewegte, der »christlichen Musikszene« den Rücken zuzukehren, wieso er nun »zurückkommt« und was seine Ziele sind - darüber unterhielt sich SOUND7.DE-Redakteur David Brunner mit dem virtuosen Gitarristen.

Du bist so etwas wie ein »Urgestein« der christlichen Musikszene, warst dann viel im säkularen Bereich unterwegs, jetzt wieder eine neue Produktion im christlichen Bereich. Wieso die »Rückkehr«?

Tja, das Alter... Die letzten sieben Jahre habe ich sehr gerne in der Musicalszene gearbeitet. Inzwischen sind dort sowohl die Arbeitsbedingungen, die Vergütung und vor allem auch die Inhalte der Musicals nicht mehr das, was ich bei »Les Miserables« vorfand. Es wurde Zeit, wieder zu den Wurzeln zurück zu kehren, und das zu machen, was mir am meisten liegt: Gitarrenkonzerte!

Die finden durchaus auch im säkularen Bereich statt. Aber dass ich im christlichen Bereich mitarbeiten kann, und dort ein Label gefunden habe, das sich um meine CD bemüht, ist für mich als gläubiger Mensch natürlich eine besondere Freude.

Was hat sich von damals, als du noch bei PILA warst, deiner Ansicht nach bis heute geändert im christlichen Bereich?

Es gibt viel mehr Interpreten, die sich um die nicht mehr gewordenen Veranstaltungsmöglichkeiten bemühen. Das macht es schwieriger. Die Labels und Verlage sind aus dem Piratenzeitalter heraus. Heute bekommen wir als Interpreten ungefähr die Tantiemen und GEMA-Gebühren, die uns zustehen. Das war früher »unüblich«.

Es gibt aber auch eine höhere Zahl von Traumtänzern, die gerade mal eine Gitarre festhalten können und meinen, der »Herr« hätte ihnen gezeigt, dass sie in der Musikszene eine wichtige Rolle spielen sollen. Leider geht das oft nicht mit üben, lernen und arbeiten einher, was man als Musiker aber unbedingt muss.

Was war für dich ausschlaggebend, dass du damals dich mehr dem »ganz normalen« Musikbereich gewidmet hast?

Zwei Gründe: Ich konnte es damals (Ende 1996) nicht mehr ertragen, zehn bis 20 Mal in der Woche bis zu zwei Stunden in der Woche von unbekannten Leuten unter die Lupe genommen zu werden. Es war Zeit, für eine Konzertpause - und zweitens hatte ich soviel menschliche und geschäftliche Abgründe in der christlichen Szene erlebt (in dem Bereich haben wir durchaus vatikanisches Format), dass ich nicht mehr mit dieser Szene identifiziert werden wollte.

Wie kam es dazu, dass du dann stark in der Musicalszene drin warst?

Nun, ich hab meine Audition für das Musical »Les Miserables« gespielt (eine Art Vorstellungsgespräch), diese gewonnen und hatte damit meine »Eintrittskarte« in diese Szene. Alles andere hat sich von dort aus weiter entwickelt.

Bei »Les Miserables« und »Elisabeth« hast du nicht nur Zuhörer begeistert, sondern auch die Komponisten, die extra die Partitur umschrieben. Fühlt man da Stolz, oder ist es leicht, »auf dem Teppich zu bleiben«?

Umgeschrieben worden ist die Partitur nur bei Elisabeth. Die Komplimente der beiden Komponisten sind etwas sehr, sehr besonderes und sehr seltenes in der Musicalszene.

Natürlich war ich stolz und froh, weil ich meine Arbeit liebe und immer versuche, mein Bestes zu geben. Akzeptanz und Respekt auf einer so hohen Ebene, die für mich auch noch völliges Neuland war, tat sehr gut. Ich hatte den Eindruck, dass ich wegen meiner Leistung geschätzt wurde; im christlichen Bereich werden die Leistungsspitzen nicht besonders wahrgenommen und es ist viel wichtiger, wie man seine Musik ankündigt.

»Auf dem Teppich« zu bleiben ist glaube ich ein Teil meiner Persönlichkeit und hilfreich war mir dabei bestimmt auch die jahrelange Erfahrung im Musikbusiness.

Dein künstlerisches Schaffen ist aber noch weit aus vielfältiger. Mit verschiedenen Künstlern bist du zu verschiedenen Programmen unterwegs. Was zieht sich bei dir wie ein »roter Faden« durch deine unterschiedlichen Tätigkeiten?

Meine große Liebe für die klassische Gitarre (sprich Nylonsaiten). Ich liebe diesen leicht romantisch, melancholischen Klang der tatsächlich zu einem enorm breiten stilistischem Spektrum passt.

Gibt es etwas davon, das dir besonders Spaß macht?

Mit guten Kollegen Musik zu machen!

Du gibst viel Gitarrenunterricht: Was ist aus deiner Sicht für Anfänger sehr wichtig und was sollte man beachten, um noch besser zu werden, selbst wenn man schon eine gewisse Klasse hat? Hast du da Tipps?

Ja! Das Instrument sollte am besten Teil des Alltags und damit natürlicher Teil des Lebens des Schülers werden. Mit 30-60 Minuten am Tag ist es nicht getan. Man muss die Augen und Ohren immer offen haben für das, was mit dem Instrument zu tun hat.

Neue Titel im Radio, Konzertbesuche, Raushören, Abgucken und Austausch mit anderen macht viel Freude und hilft einem »ganzheitlich zu lernen«. Das macht den Unterschied. Und natürlich gibt es keinen Ersatz fürs ÜBEN!!!

Gibt es Künstler oder Bands, mit denen du gerne einmal eine CD aufnehmen oder eine Tournee spielen würdest?

Oh ja! Norah Jones, Diana Krall, Sting, Rickie Lee Jones, Tom Waits, Chris Rea...

Hast du selbst musikalische Vorbilder?

Im Moment nicht.

Was macht der Profimusiker Werner Hucks, um abzuschalten, zu entspannen?

Motorrad fahren, lesen, Sport, kochen oder ins Kino gehen.

Die Songs deiner neuen Produktion »Faszination Gitarre« spiegeln sehr viele Gedanken und Eindrücke von dir wieder. Andererseits wirst du als »schalkhafter Gitarrenvirtuose« bezeichnet. Wie passt das zusammen, oder ergänzt sich das?

Ich habe eine Art von Humor, den ich sehr gerne in meinen Konzerten mit einbaue. Diese humorvolle oder schalkhafte Ebene ist keine der tieferen Wahrnehmungsebenen hilft aber in Konzerten sehr, auf gehaltvolle Musik oder Inhalte vorzubereiten. Ein Mensch der mit dir gelacht hat, hört dir auch gut zu!

Sowohl eigene Songs, als auch Arrangements zu bekannten Komponisten finden sich auf »Faszination Gitarre«. Wie ist diese Auswahl zustande gekommen?

Die sechs Eigenkompositionen sind in den letzten Jahren entstanden und haben sozusagen darauf gewartet, aufgenommen zu werden. Die vier Choräle sind Lieder, die mich schon seit Jahren begleiten, und die mir sehr viel bedeuten.

Inwiefern spielt dein Glaube eine Rolle in deiner Musik? Das scheint ja nicht so leicht zu sein, da du meist rein instrumentale Musik machst.

Er spielt eine Rolle bei der Auswahl der Veranstaltungen und Aktivitäten, bei der Zusammenstellung meines Repertoires und bei der Wahl der Kollegen mit denen ich arbeite. Außerdem glaube ich an die spirituelle oder geistliche Dimension von Musik und bin davon überzeugt, dass sich sehr viel von dem Gelebten in der Musik des Musizierenden mitteilt.

Zu was für Veranstaltungen und wie können dich Gemeinden oder andere Veranstalter buchen?

Gottesdienste, Konzerte in Gemeinderäumen, Cafés, Festivals, gemischte Veranstaltungen wie Evangelisationen, Vorträge, Feiern... Buchen geht am besten per Telefongespräch: 0271/20471 oder E-Mail info@werner-hucks.de.

Was werden wir von dir in der nächsten Zukunft erwarten können? Was sind deine Pläne?

Ich möchte wieder hauptsächlich solo spielen. Eventuell gibt es mit Danny Plett eine Tournee und neue Ideen für eine Folgeproduktion habe ich auch schon.

Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte:
David Brunner

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eXact, 01-02/2004
Portrait + Interview

Werner is back in town

Nach sieben Jahren Musical jetzt wieder mit der Gitarre auf der Bühne … die Rede ist von Werner Hucks. Seine letzte CD mit Gitarrenmusik erschien bei Pila im Jahre 1997. Dann folgten sieben Jahre im Musical-Geschäft, aber jetzt ist er wieder da, zurück auf der Bühne, zusammen mit seiner Gitarre.

Werner Huck ist Konzertgitarrist, Komponist, Studiomusiker, Workshop-Leiter und – der bundesweit erste Diplom-Musikpädagoge für das Fach Jazzgitarre (1986 mit Bestnote abgeschlossenes Studium an der Hochschule für Musik in Köln bei Eddy Maron). Vor allem aber ist er ein Vollblutprofi, der mit Leidenschaft tut, was er liebt. Seit über 25 Jahren ist Werner Hucks als Musiker unterwegs, wirkte bei ca. 2500 Konzerten und 1000 Musicalshows mit, hatte eine Reihe von Rundfunk- und Fernsehaufnahmen und spielte als Studiomusiker einige hundert Titel ein.

Werner Hucks ist in den verschiedensten Stilbereichen zu Hause: Klassik, Jazz, Musical und Kammermusik. Seine Solokonzerte sind jetzt wieder seine regelmäßige Plattform. Mit seinem Programm „Von Bach bis Ellington…” war Werner Hucks auch international zu hören, u.a. in den USA, in Südafrika, Skandinavien, den Beneluxländern, Griechenland und Ungarn.

Die musikalische Bandbreite des 1962 in Duisburg geborenen und in Siegen lebenden Musikers schlägt sich auch in seinen Produktionen nieder, die er inzwischen veröffentlicht hat. Neben den Jazz-Pop-orientierten Alben „Relaxed”, „Midnite Blue”, „Dreamtime” und Romantic Guitar” ist auch die Serie „Classic Guitar” mit feinfühligen Interpretationen des klassischen Gitarrenspiels auf eine begeisterte Zuhörerschaft gestoßen.

Wie schon erwähnt hat sich Werner Hucks in den letzten sieben Jahren aber auch stark in der Musicalszene engagiert. Beim Musiacl „Les Miserables” (Duisburg 1996-1999) war er von der Premiere bis zur letzten Show die erste Besetzung der Gitarrenstelle, spielte die deutsche CD ein und wurde vom Komponisten Michel Schönberg explizit gelobt: „Von den vielen CD-Einspielungen (ca. 40 weltweit) ist bei dieser die Gitarre das erste und einzige Mal so, wie ich sie mir immer gewünscht habe!”. Beim Musical „Elisabeth” in Essen (Premiere im März 2001) spielte Werner Hucks sowohl bei der Premiere als auch bei der CD-Aufnahme mit und beeindruckte den Komponisten Sylvester Levay so, dass dieser nachträglich bei mehreren Titeln die Partitur umschrieb, um die Gitarre von Werner Hucks stärker zu betonen. Nach erfolgreichen Jahren kommt er aber jetzt wieder auf die Bühne, quasi aus dem Orchestergraben…

Im Herbst liefen die Aufnahmen für seine neue Platte. Sie wird im Februar erscheinen und zu Redaktionsschluss standen noch nicht alle Titel fest. So viel konnte Werner Hucks aber schon sagen: „Es ist akustische Gitarrenmusik mit keinen einzigen Track, der vom Computer kommt. Alles reine Handarbeit, oder wie man zwischendurch schon mal sagte 'unplugged'”. Unterstützung bei der Produktion bekam er z.B. von Ralf Gustke an den Drums und Percussions. Helmut Jost wirkte als Produzent und Bassist und auch der Tontechniker Frank Röcher gab, wie Werner Hucks sagte, „einen Rieseninput”. Zum Teil wurde auch in der Stadt der eXact-Redaktion. Bonn, aufgenommen, und zwar bei Klaus Genuit im Hansa-Haus-Studio. Hier wurde u.a. der Choral „Jesu bleibet meine Freude” mit zehn (!) Gitarren neu arrangiert. Man darf gespannt sein. Aber jetzt lassen wir die Künstler mal zu Wort kommen.

Erzähl doch mal was aus deiner Zeit im Musicalbereich! Was sind deine Erfahrungen und Eindrücke?

Die Musicalszene ist eine schillernde Welt mit wunderbaren originellen Menschen, sehr viel Enthusiasmus und unglaublich strenger Arbeit. In diesem Sommer habe ich mich nach vier Jahren „Les Miserables” und 2,5 Jahren „Elisabeth” trotz zweier Folgeangebote in Essen und Berlin von dieser Szene verabschiedet. In Berlin im Theater des Westens, wo „Les Miserables” noch einmal aufgelegt wurde, bin ich als Gitarrensupervisor eingeflogen worden und habe einem wunderbaren Kollegen zeigen können, wie ich den Gitarrenpart in Duisburg gestaltet hatte. Ich bin sehr froh über die letzten Jahre und die zum Teil beglückenden Begegnungen in dieser Szene.

Warum willst du aber jetzt wieder auf die Bühne?

Es drängt mich jetzt wieder danach, mit meiner Gitarre direkt vor einem Publikum zu sitzen, dem ich das vermitteln möchte, was in 1. Samuel 16, Vers 16 steht: dieses Instrument tut gut! Es entspannt, hilft einem den Kopf wieder frei zu bekommen und ist nebenbei auch noch romantisch mit einer leichten Prise Melancholie.

Ist das Musical nicht viel spannender?

Es gibt so viel, was man als Gitarrist erleben kann! Spielen in einer Band, Sänger- und Chorbegleitung, Studio, Sessions, Unterricht, Seminare… und die hohe Kunst des Solospiels. Während der letzten 20 Jahre waren diese Soloauftritte zusammen mit Gitarrenunterricht der rote Faden, der sich durch meinen Musikeralltag zog. Dabei hatte ich das Glück, dass meine Art von Musik sich auch sehr gut in größere Festivals integrieren lässt. So konnte ich z.B. in Norwegen, Schweden, Ungarn, Griechenland, Spanien, Frankreich und sogar zwei Mal in den USA auftreten.

Wow, wusste ich so gar nicht! Das klingt sehr interessant! Welche Auftritte haben den bleibendsten Eindruck hinterlassen?

Von den herrlichen Auslandsreisen haben meine drei Aufenthalte in Südafrika (Swaziland und Namibia) eindeutig die stärksten Eindrücke hinterlassen. Ich war noch vor der so genannten „Wende” dort und habe dieses Land in einer zum Zerreißen gespannten Atmosphäre erlebt. In Soweta war ich wohl der erste Weiße, der dort für Schwarze gespielt hat und ich habe z.B. in Durban an der Universität unterrichtet. Zu der Zeit lag Jazzmusik sozusagen in der Luft: die Musik passte gut zu dem Bemühen der Musiker dort, eine gemeinsame Sprache zu finden, die über alle kulturellen Grenzen hinweg funktionierte. Und so kam es zu einer ganzen Reihe von Jazzkonzerten mit Musikern unterschiedlichster Herkunftund Hautfarbe. Ja, so war Jazzmusik gemeint und so konnten wir als Christen und Musiker Kulturpolitik in diesem unglaublich schönen Land machen.

Eine Frage für die, die dich vielleicht von der jüngeren Generation noch nicht so kennen: Haben deine CDs auch Jazzeinflüsse?

Über die Jahre habe ich immer wieder versucht, gute Jazzmusiker bei meinen CD-Produktionen in unsere christliche Musikwelt mit hinein zu nehmen, um die Hörer für die Schönheit dieser Musikrichtung zu begeistern: Charlie Mariano, Jiggs Whigham, Lee Konitz und Ack van Rooyen sind Giganten in der Jazzszene und es war eine Ehre und Freude, mit ihnen Musik machen zu dürfen.

Mit welchen Künstlern warst du noch in den Jahren vor deiner Musicalkarriere unterwegs?

Neben diesen Begegnungen im Jazzbereich habe ich über viele Jahre hinweg mit den Sängern Jan Vering und Clemens Bittlinger Konzerte gegeben. Bei Jan hat mich seine narrative Begabung und sein äußerst sensibles Gespür für das Publikum fasziniert. Im Bezug auf Umgang mit dem Publikum konnte man in jedem Konzert etwas lernen: Danke, Jan!

Gibt es als Musiker und Christ für dich eine Lieblingsstelle in der Bibel?

Ja: Psalm 108, Vers 1-3. „Ein Lied Davids. Voller Vertrauen blicke ich in die Zukunft, mein Gott, darum will ich singen und dir danken, Herr! Fasse neuen Mut, mein Herz! Wach auf! Harfe und Zither, wacht auf! Ich will den neuen Tag mit meinem Lied begrüßen.”

Die eXact dankt für den persönlichen Einblick in dein Leben.

Das Interview führte:
Markus Roll

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